Wann
und wie bist Du zum orientalischen Tanz gekommen?
In einem Restaurant sah ich zum ersten mal eine orientalische
Tänzerin und wußte: das ist es!!! Lange war ich auf der Suche
nach meinem "Ding" und habe gekämpft mit mir beim Aerobic, mich
um Entspannung "bemüht" bei Yoga oder verbissen im Fitness-Studio
Gewichte gestemmt. Die Anmut und women´s power dieser Tänzerin
waren jedoch genau das, was in mir schlummerte und geweckt werden
wollte. (Die Power war gleich da, bis die Anmut und Grazie erwachte,
hat´s jedoch ein bißchen gedauert!).
Hast
Du einen Künstlernamen und wenn ja, wie bist Du dazu gekommen?
Mein Künstlername ist Ayun. Im "richtigen" Leben heiße ich Uschi.
Das erste big event, bei dem ich tanzte, war Momo´s Art Oriental
1996 in Frankfurt. Ich tanzte zusammen mit Seetha und Yamuna,
die wie ich Momo´s Masterclass in Nürnberg besuchten, und am
Ende der Show wurden wir namentlich auf die Bühne gerufen. Nach
all den klangvollen Namen konnte natürlich keine "Uschi" erscheinen
und so haben wir kollektiv gegrübelt. Allerdings nur kurz, denn
gleich war klar, dass mein Künstlername etwas mit meinen Augen
(mein anscheinend beeindruckenster Körperteil) zu tun haben
muss - voilà da hatten wir´s - A y u n !
Gibt
es jemanden, der Dich besonders beeinflusst hat? Oder hattest
Du ein Schlüsselerlebnis, das Dich besonders geprägt hat?
Von jedem meiner Lehrer/innen habe ich behalten, was ich in
diesem Moment brauchte und aufnehmen konnte. Viel gearbeitet
habe ich mit Momo Kadous, und ich liebe die Workshops mit Zaza
Hassan. Ein Dank hier an dieser Stelle an alle meine Lehrer
und Lehrerinnen. Seit ich mit Magdy Youns zusammenarbeite, habe
ich viel profitiert von seinem Anspruch, den er an mich in seinem
Balletttraining stellt - puuuuuuh! Ein besonders prägendes tänzerisches
Schlüsselerlebnis hatte ich, als ich in Kairo unterwegs war,
eine befreundete Familie besuchte und wir Frauen zusammen tanzten
- dieser Spass und dieses "aus-dem-Bauch-raus-tanzen"
war die pure Lebensfreude und hat mich in meinem Tanzen und
Unterrichten nachhaltig beeindruckt.
Was
sind Deine Aktivitäten in Sachen orientalischer Tanz?
Neben meinem Unterricht in meinem Studio liebe ich es, Workshops
zu geben und auf Shows zu tanzen. Viel Spaß habe ich mit meinen
Ensemble "Nugum al Ayun" und ansonsten versuche ich,
meinen Tanz niemals in Arbeit ausarten zu lassen.
Gibt
es eine Tanzart, eine Musikrichtung, die Du besonders magst
oder hast Du ein Lieblings-Accessoire im Tanz?
"The real thing" für mich ist Raqs Sharqi. In keinem
anderen Tanz kann ich mich als Frau so ausdrücken wie mit ihm.
Glaubst Du, dass orientalischer
Tanz und Erotik zusammengehören?
Jaaaaaaaaa!!!!!! Prinzipiell ist Erotik in allen Tanzarten
präsent, man denke an Tango, Flamenco, Salsa...... Allerdings
immer in verschiedenen Gefühlsqualitäten.
Der besondere erotische Moment im Orientalischer Tanz ist: der
getanzte Genuss, eine Frau zu sein ! Diese spezielle! Art von
Erotik vermisse ich manchmal im "deutschen" orientalischen Tanz
und deshalb missioniere ich diesbezüglich in meinen Workshops.
Der Begriff "Bauchtanz" - obwohl negativ behaftet - trifft den
Kern unseres Tanzes nämlich haargenau. Aus dem Bauch raus getanzt
zeigt sich jede Tänzerin in ihrer Einzigartigkeit, Sinnlichkeit
und ihrem (hoffentlichen) Spass am "Weib" sein.
Was
ist Dir in Deinem Unterricht wichtig, was macht für Dich eine
gute Lehrerin aus?
In meinem Unterricht ist mir wichtig, in den Frauen das Gefühl
für den eigenen Körper zu wecken. Ich liebe es und es macht
mich stolz, wenn ich merke, wie meine Schülerinnen nach einiger
Zeit aufrechter gehen, an Ausstrahlung gewinnen und sich ihrer
selbst mehr bewusst sind. Neben guter Technik ist mir ein Anliegen,
den Frauen die besondere Gefühlsqualität unseres Tanzes zu vermitteln
- siehe Frage "Erotik im Bauchtanz". Als Lehrerin sollte man
sein Können und Wissen vorbehaltlos weitergeben: zum Wohle der
Schülerinnen und zum eigenen Wohle, denn gute Schülerinnen sind
die beste Visitenkarte.
Was war das schönste
oder amüsanteste Erlebnis Deiner bisherigen Laufbahn?
Ein Erlebnis, über das ich mich sehr gefreut habe, war ein bezauberndes
Kompliment, das mir Bert Balladine gemacht hat. Er sagte: "Du
bist die Tänzerin, mit der ich noch gerne zusammengearbeitet
hätte. Zu schade, dass ich schon zu alt dafür bin!" - Ist das
nicht süß?